Der Trompeter im Gitarristen

Interview mit dem amerikanischen Gitarristen Pat Metheny

by Claus Lochbihler for Jazzzeitung.de


"Auf die sanfteste Weise radikal und auf die radikalste Weise eingänglich", lautet das musikalische Credo der Pat Metheny Group (PMG). Nicht immer ist dem amerikanischen Gitarristen diese Gratwanderung so gut gelungen wie auf "The Way Up" (Warner/Nonesuch). Was an manchen PMG-Alben der letzten Jahre ein wenig nervte - eine Tendenz zum esoterisch-weltmusikalischen Schönklang im Breitwandformat -, ist auf der mittlerweile zwölften Einspielung nicht mehr zu finden. Geblieben ist der eindrucksvolle Drang, Jazz mit den Mitteln des digitalen Studios so orchestral wie möglich zu gestalten. In weiten Bögen und raffinierten Arrangements spielt und improvisiert sich Pat Methenys neu besetzte Truppe durch eine 68-minütige Komposition von quasi-sinfonischem Ausmaß. Was sich im einen Moment nach Ouvertüre anhört, klingt kurz darauf nach Be Bop-Trio, dann wieder nach dem Remix eines Live-Mitschnitts. über die neue CD, die neue Besetzung der PMG und seinen Werdegang unterhielt sich Pat Metheny mit Claus Lochbihler.

Jazzzeitung: Als Jugendlicher haben Sie zwölf bis 14 Stunden am Tag geübt. Spielen Sie noch immer so viel?

Pat Metheny: Nein. Gitarre oder etwas anderes - für mich ist das mittlerweile alles gleich interessant. Natürlich spiele ich sehr gern Gitarre, aber in meinem Leben habe ich mittlerweile erkannt, dass ich das, was ich in der Musik suche, auch sonst anstrebe: Ob im Gespräch oder beim Spazierengehen - ich möchte jeden Moment schätzen können. Jeden einzelnen Moment genießen und formen - darum geht es ja auch in der Musik.

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© hepcat1950 TOP last update: October 7, 2005