Nahtloser Übergang

Ein Interview mit der Jazz-Legende Pat Metheny

von Julia Grobe für zeit.de
veröffentlicht im ZEIT-Kulturbrief vom 15. bis 24. März 2002
mit freundlicher Genehmigung des Verlages


ZEIT_online: Nach ausgedehnter Arbeit und großem Erfolg im Trio sind Sie nun wieder in die Gruppe zurückgekehrt. Mussten Sie sich erst wieder an das Gruppenleben gewöhnen, oder war es ein nahtloser Übergang?

Pat Metheny: Die Gruppe ist für mich immer präsent. Ich habe sie immer im Kopf, selbst wenn ich mit anderen Dingen beschäftigt bin. Während der gesamten Zeit im Trio habe ich über Projekte mit der Gruppe nachgedacht. Als unser neuer Drummer, Antonio Sanchez, zu uns stieß, standen uns plötzlich ganz neue Möglichkeiten offen und gleichzeitig konnten wir aus der gesamten vergangenen Band-Geschichte schöpfen. Antonio ist sehr versiert, was den Stil der früheren Alben angeht - ich würde sagen, es war beinahe ein "nahtloser Übergang".

ZEIT_online: Auf der aktuellen Platte "Speaking Of Now" präsentiert sich die PMG in neuem Line-Up. Es spielen drei jüngere Musiker mit. War das eine Herausforderung für Sie?

Pat Metheny: Alle drei neuen Jungs sind großartige, erfahrene Musiker. Die Herausforderung war, Musik zu komponieren, die ihr Talent und gleichzeitig die speziellen Möglichkeiten der Band nutzt.

ZEIT_online: Wurden die Songs auf dem neuen Album von den jüngeren Musikern beeinflusst?

Pat Metheny: Ja, die Musik ist im Hinblick auf sie entstanden.

ZEIT_online: Sind Sie immer auf dem laufenden, was aktuelle Musikentwicklungen und -trends angeht?

Pat Metheny: Das ist immer unterschiedlich. Im Moment bin ich nicht gerade auf dem neuesten Stand. Ich muss zugeben, dass es eine Menge gute Musik gibt, die ich verpasse. Grundsätzlich wird in Amerika sehr wenig gute Musik im Radio gespielt und es gibt kaum ernsthafte Musikkritiker. Daher muss man schon jemanden persönlich kennen, der viel Musik hört und der Anregungen geben kann, was gerade neu und gut ist.

ZEIT_online: Sie haben in den letzten 25 Jahren viel experimentiert und viele verschiedene Stilrichtungen ausgeschöpft. Trotzdem gibt es diesen unverwechselbaren PMG-Sound. Gibt es in Ihren Augen eine Gemeinsamkeit, einen roten Faden, der sich durch die Alben der PMG zieht?

Pat Metheny: Ja, aber es ist unmöglich für mich, das zu beschreiben. Ich hoffe, unsere Musik spricht da in gewisser Weise für sich selbst.

ZEIT_online: Was bedeutet der aktuelle Titel "Speaking Of Now"? Ein bewusster Bezug zur Gegenwart?

Pat Metheny: Ich denke, der Titel könnte als Manifest verstanden werden für das, was diese Gruppe seit ihren Anfängen ausgemacht hat. Sicherlich ist es unser eigenes, persönliches "Jetzt". Wir haben uns immer dafür interessiert, Wege zu erkunden, uns auf die einzigartigen Möglichkeiten einzulassen, die jedes Jahr für uns auf - hoffentlich - musikalischer und kreativer Ebene bereithält.

ZEIT_online: Ende Februar startete die PMG eine ausgedehnte Welttournee, auch in Deutschland werden Sie im Mai und Juni mehrere Auftritte haben. Ist es eine besondere Situation, in neuer Formation live zu spielen?

Pat Metheny: Seit ein paar Wochen sind wir nun in den Staaten auf Tour und jeder sagt, dass dies das beste Line-Up ist, dass die Band je hatte und die Show bisher unsere beste ist. Für mich ist es schwer, das zu beurteilen - aber ich habe wirklich eine Menge Spaß. Und wir genießen es, mit den neuen Jungs auf der Bühne zu spielen.

ZEIT_online: In der Vergangenheit haben Sie viele verschiedene Projekte durchgeführt und Preise gewonnen. Als einziger Band wurde der PMG sieben Grammies in Folge für sieben aufeinanderfolgende Plattenveröffentlichungen verliehen. Gibt es schon Pläne für die Zukunft?

Pat Metheny: Weiterhin versuchen gut zu spielen und die richtigen Melodien zu finden.

ZEIT_online: Vielen Dank!


source: http://www.zeit.de/2002/12/Kultur/kulturbrief_15032002.html#grobe


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