Naughty By Naura #7
WELCHEN JAZZ HÖRT GOTT?

Als Gott eines Morgens die Augen aufschlug, fiel sein Blick auf das Radio. Gott hatte eine Problem. Seine Unsterblichkeit begann ihn zu langweilen. Und das Schlimmste war, dass Gott, der alle Sender kannte, sich schütteln musste, wenn er an gewisse Radio-Stationen dachte. Er hatte sie numeriert: RS 1, RS 2, RS3 usw. Das war das Kürzel für REAL SHIT. Aber Gott der Allmächtige hatte auch seine Lieblings-Sender. Einer von ihnen war der WDR. Wenn Gott an den dachte, begann er zu lächeln. Und Gott schaltete seinen Darling an. Und Gott sah, dass er gut war. Man muss wissen, dass Gott ein Jazzfan war. Darin war er wahrlich von einer überirdischen Bildung. Er konnte das Solo von Louis Armstrong in "West End Blues" nachpfeifen. Selbst das hohe C am Schluss, das Louis vier Takte lang hält, hatte Gott drauf. Und Keith Jarretts Solo-Exzesse "Sun Bear Concerts" konnte der HERR auf dem himmlischen Piano allesamt nachspielen. Na ja, er war halt ein gebildeter Gott.

Nur eines hatte Gott nicht im Griff. Seinen Widersacher Satanas. Dieser hatte einen grauslichen Musikgeschmack. Er hörte in seinem glühenden Laden CROSSOVER. Der LEIBHAFTIGE rührte alles durcheinander: Techno, Mozart, Nazi-Lieder, Miles Davis, Dieter Bohlen. Es war eine schmierige Collage. Aber sie erregte ihn tief und animierte ihn zu sexuellen Exzessen. Das alles ging Gott auf die Nerven, denn des Teufels Klangbrei war laut und drang bis zu den göttlichen Gefilden vor. Selbst schwerste Wolkenbänke konnten Gott nicht von dieser höllischen Belästigung abschotten. Da ließ Gott seinen Chef-Berater, den Erzengel Michael, kommen und sprach: "Mein Lieber, so geht es nicht weiter. Luzifers Klang-Orgien machen mich ...z krank. Sie sind Schuld an meinem Blut...uck." Und der Erzengel antwortete: ...wie du mir, so ich dir. Lass uns den Leibhaftigen mit göttlicher Musik beschallen. Und zwar so laut, dass die Gestirne wackeln." Und so geschah es. Die himmlischen Heerscharen spielten J. S. Bach, Benny Goodman und Jan Garbarek so laut, dass Luzifer seine stinkenden Gedärme erbrach und daran verendete.

In diesem Augenblick erwachte Gott. "Komisch", dachte er, "wieso träume ich immer wieder von meinem Widersacher?" Und Gott lächelte ein unsicheres Lächeln. Dann aber überfiel ihn eine große Müdigkeit und der Lenker aller Welten sank in einen sanften Schlaf. In einen wahrhaft göttlichen Schlaf.

Text Michael Naura

Quelle: Jazzthing, Nummer 38, Seite 28